Neugestaltung der Kapelle Allerheiligen, 2019-2021
Ort: 77728 Oppenau-Allerheiligen
Bauherr: Kath. Kirchengemeinde Oberes Renchtal, Oppenau
Architekt: Erzbischöfliches Bauamt Freiburg
Künstler: Klaus Simon, Krefeld
600 Jahre war das Kloster Allerheiligen das spirituelle Zentrum des Acher- und Renchtals, bis die Säkularisation und ein Brand diese Tradition beendeten. Erst gut 100 Jahre später wurden, nach dem Bau der Kapelle Allerheiligen als Teil eines Kindererholungsheimes des Bistums Mainz, an diesem Ort wieder Gottesdienste gefeiert. Doch nach der Schließung des Heimes fiel die Kapelle mehr oder weniger in einen Dornröschen-Schlaf. Vor etwa 7 Jahren bildete sich aus den umliegenden Kirchengemeinden der ökumenische Freundeskreis Allerheiligen. Dessen Mitglieder entwickelten unter dem Motto „Dein Licht erfüllt“ ein neues Nutzungskonzept als Kapelle im Nationalpark Schwarzwald.
Es sollte wieder ein spiritueller Ort zum Innehalten, zur Begegnung und Bildung entstehen – ein Raum, der für jeden offen ist. Wunsch war es, neben der räumlichen Einheit auch eine inhaltliche Verbindung zwischen Klosterruine und Kapelle zu schaffen.
Das liturgische Konzept sah eine Neugestaltung des Altars vor, der diese Gestaltungsideen aufnimmt und verdichtet. Aus einem beschränkten Künstlerwettbewerb ging Anfang 2019 der Krefelder Künstler, Klaus Simon, als Sieger hervor. In einem offenen Atelier, im freien hinter der Kapelle, konnte er seinen Entwurf im Sommer 2020 aus dem Stamm einer heimischen Weißtanne umsetzen. Für Simon war dieser typische Schwarzwaldbaum neben seiner geschichtlichen Bedeutung so wertvoll, da er den sogenannten Wimmerwuchs ausbildete, eine geschwülstartige Wuchsanomalie im Rindenbereich. Gerade das zeigen dieser Fehler und Wunden eines Baumes machen die Kunst von Klaus Simon im kirchlichen Kontext interessant.
Der raue Holzstamm wird durch Einschnitte, Abschnitte, dessen Umschichtungen sowie Schleifen zu den Prinzipalien veredelt. Die Linie im weitesten Sinne wird zu dem verbindenden Element zwischen Alt und Neu, zwischen Architektur und Kunst.
Der Altar steht im Mittelpunkt der Gemeinde. Über ihm, als geistiger Mittelpunkt, hängt ein vergoldetes Scheibenkreuz, dessen Ursprünge in den mittelalterlichen Klöstern, wie Allerheiligen, liegt. Das Gold bildet einen Kontrapunkt zu dem schlichten, weißen Innenraum. Dieser erweitert sich bis in den Dachraum und wird maßgeblich durch dessen Rippenkonstruktion geprägt.
Die neuen Fenster erhellen mit ihrem klaren Licht das Innere der Kapelle. Es entsteht ein Spiel von Licht und Schatten. Gleichzeitig ergeben sich durch die unterschiedlich gestalteten Fensteröffnungen je nach Standpunkt Blickbeziehungen zu den Ursprüngen dieses Ortes: der Klosterkirche und dem Wald des Nationalparks. Die Verbindung zu diesen Ursprüngen war auch der Leitgedanke des Außenraumes.
Freiburg, 03.03.22 / wie
